Abstracts
Über Grenzen und Passagen. Eine philosophische Betrachtung zu Synergien in der Architekturforschung
Chris Younès
Der Beitrag untersucht die Bedeutung von Synergien in der Architekturforschung anhand einer philosophischen Reflexion über Grenzen, Passagen und transdisziplinäre Wissensformen. Über die disziplinäre Spezialisierung hinaus plädiert er für Forschungsansätze, die den Austausch zwischen unterschiedlichen Fachgebieten, Praktiken und Denkweisen ermöglichen. Unter Bezugnahme auf Edgar Morin, Jacques Derrida, Martin Heidegger, Michel Serres, Hans Jonas, Félix Guattari, Val Plumwood und Hélène Frichot werden Grenzen nicht als feste Trennlinien, sondern als Orte der Begegnung, Transformation und Erfindung verstanden. Angesichts von Klimawandel, Biodiversitätskrise, Globalisierung sowie sozialer und technischer Umbrüche ist die Architekturforschung aufgefordert, neue Verbindungen zwischen Universität, Praxis, Bildung, Experimentieren und Kultur zu schaffen. Dabei stehen die Beziehungen zwischen dem Menschlichen und dem Nicht-Menschlichen, zwischen Natur und Artefakten, zwischen Ökosystemen und Anthropisierung sowie zwischen Rationalität, Sensibilität und Empathie im Zentrum. Der Artikel vertritt die These, dass die Herausforderung für die Architekturforschung darin besteht, durch neue Forschungsgebiete sowie kognitive und kreative Methoden neue wissenschaftliche Perspektiven, Allianzen und Dialoge zu ersinnen, zu erfinden und zu erproben.
Schlagwörter: Architekturforschung, Synergien, Transdisziplinarität, Grenzen und Passagen, Komplexität, Mensch–Nicht-Mensch-Beziehungen.
Zusammenhänge erkunden. Kollaboratives Gestalten für Kommunen, Kultur und Umwelt
Olga Mesa, Nathan Fash
Zusammenarbeit inspiriert, verbindet und bringt neue Ideen hervor. Fachwissen und Kompetenz sind zwar unerlässlich, doch die wertvollsten Ergebnisse erwachsen aus der immateriellen Synergie, die entsteht, wenn Menschen aufeinandertreffen und sich austauschen. Anhand von drei Projekten von Nuvola Studio zeigt dieser Beitrag, wie architektonisches Design von transdisziplinärer Zusammenarbeit gewinnt. Als Non-Profit-Organisation, die sich der Förderung von Bildung, Umwelt, Kultur und Kommunen durch Forschung, Technologie, Architektur, Bauwesen und Materialinnovation widmet, stützt sich Nuvola bei Projekten auf vielfältige Teams. Das Projekt „Aguatera“ unterstützt ein nachhaltiges Wassermanagement für abgelegene Inselgemeinden in Bahía Málaga, Kolumbien. „Gemela“ verbindet digitale Fertigungstechnik, Materialwissenschaft und denkmalpflegerische Prinzipien, um Repliken der Hieroglyphentreppe in der Mayastadt Copán in Honduras aus einem Kompositwerkstoff herzustellen. „Woven Compliant Chuspata“ bringt ArchitektInnen, IngenieurInnen und KunsthandwerkerInnen zusammen, um nachhaltige gewebte Bauteile im architektonischen Maßstab zu entwickeln. In all diesen Projekten ermöglicht Zusammenarbeit gemeinsames Lernen, hinterfragt bestehende Annahmen und fördert die Entwicklung integrierter sowie kontextspezifischer Lösungen mit nachhaltiger sozialer, kultureller und ökologischer Wirkung.
Schlagwörter: transdisziplinäre Kollaboration, Materialinnovation, Wissensaustausch, kollektives Wissen, gemeinschaftliche Beteiligung, Kulturerbe, nachhaltiges Design
“The Controlled Ruin”. Bestandstransformation als Praxis zur Erhaltung kollektiver Erinnerung
Mo Michelsen Stochholm Krag
Diese Bildstrecke stellt das Projekt „The Controlled Ruin“ vor, das im Rahmen einer designbasierten Doktorarbeit entstanden ist und eine kontinuierlich fortgeführte radikale Praxis der Erhaltung von Baubestand im ländlichen Dänemark initiiert hat. Durch subtraktive architektonische Eingriffe an verlassenen Gebäuden untersucht das Projekt, welchen Beitrag bauliche Relikte zur lokalen Identität und kollektiven Erinnerung leisten. Der erste Prototyp wurde 2014 im Dorf Snedsted im Norden Jütlands umgesetzt und umfasste den teilweisen Rückbau eines leerstehenden Einfamilienhauses. Ziel war es, eine kuratierte Konstellation architektonischer Fragmente zu hinterlassen, die mehrere Zeitschichten der Gebäudebiografie freilegen. Seitdem wurde das Projekt um Rewilding-Strategien erweitert: Die Aufforstung verwandelt den nun leeren historischen Teil des Dorfes allmählich, während die erhaltenen Ruinen offene Lichtungen als zukünftige Begegnungsorte für die lokale Gemeinschaft bewahren. „The Controlled Ruin“ zeigt, wie architektonische Relikte lokale Diskurse über Privatheit, Sichtbarkeit und kollektive Erinnerung anregen können.
Schlagwörter: Radikale Erhaltung, kollektive Erinnerung, architektonische Relikte, Rewilding-Strategien, designbasierte Forschung
Wie schaffen wir Synergien? Eine Diskussion über die Zukunft der Architekturforschung
Sophia Meeres, Urs Hirschberg
Ausgehend von den Diskussionen des ARENA Synergies Symposiums 2024 an der TU Graz untersucht dieser Beitrag aktuelle Herausforderungen und zukünftige Entwicklungsperspektiven der Architekturforschung. Im Mittelpunkt stehen die Frage, was gute Forschung ausmacht, die Auswirkungen gesellschaftlicher und ökologischer Transformationsprozesse sowie die zunehmende Bedeutung interdisziplinärer und transdisziplinärer Zusammenarbeit. Die Beiträge der SymposiumsteilnehmerInnen machen die Spannungen zwischen etablierten Bewertungsrahmen und experimentellen, praxis- und designorientierten Forschungsansätzen sichtbar. Zugleich betonen die Diskussionen die Relevanz der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, beruflicher Praxis und Öffentlichkeit. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Klima- und Umweltkrise, neuen Formen der Wissensproduktion sowie der Notwendigkeit, disziplinäre Grenzen zu überwinden. Das Symposium verdeutlicht, dass zeitgenössische Architekturforschung neben wissenschaftlicher Exzellenz auch kritische Reflexion und innovative Formen der Zusammenarbeit anstreben sollte. Synergien sind dabei eine zentrale Voraussetzung, um komplexe Herausforderungen zu bewältigen und die Zukunft der Architekturforschung aktiv mitzugestalten.
Schlagwörter: Architekturforschung, Interdisziplinarität, Transdisziplinarität, Forschungskooperation, Wissensproduktion
Hydrogele. Materialverhalten und räumliche Transformation
Saurabh A. Mhatre
Diese Fotoserie dokumentiert einen Forschungsprozess, der von der Beobachtung molekularer Wechselwirkungen bis zur Erforschung von Materialsystemen mit architektonischem Potenzial reicht. Die Arbeit ist im Rahmen des Kurses „Construction Lab“ an der Harvard Graduate School of Design entstanden und wurde später als Thesis-Projekt weiterentwickelt. Sie untersucht, wie Materie auf Zeit, Energie und Umweltveränderungen reagiert. Mithilfe von Makrofotografie und Ultrakurzzeitaufnahmen wurden Experimente mit Wasser, Öl und Tinte durchgeführt, die dynamische Prozesse wie Dispersion, Absorption und Transformation sichtbar machten. Im weiteren Verlauf konzentrierte sich die Forschung auf Hydrogele – Materialien, die als Reaktion auf äußere Reize quellen und Feuchtigkeit abgeben können. Anstatt einzelne Materialeigenschaften isoliert zu betrachten, untersuchte das Projekt, wie Verhalten aus den Beziehungen zwischen Materialien und ihrer Umgebung entsteht. Diese Untersuchung führte zur Entwicklung von Systemen mit räumlichen und architektonischen Implikationen, darunter optische Schichten, druckresponsive Membranen und Verdunstungskühlgitter. Die Fotoserie versteht Design nicht als die Produktion fester Formen, sondern als die Orchestrierung von Beziehungen – zwischen Maßstab und Verhalten, zwischen Substanz und Raum.
Schlagwörter: reaktionsfähige Umgebungen, architektonisches Experimentieren, materielle Handlungsfähigkeit, Materie-Umwelt-Interaktion, Designforschung
Synergistische Materialien. Mit kollaborativer Materialforschung die Baupraxis überdenken
Milena Stavrić, Hana Vašatko, Kristijan Ristoski, Cornelia Ott, Britta Nader, Julian Jauk, Lukas Gosch, Markus Bartaky, Urs Hirschberg
Die 2020 initiierte Forschungsprojekt „Advanced Computational Design“ untersucht, wie Entwurfswerkzeuge und -prozesse durch interdisziplinäre Forschung in den Bereichen digitale Architektur, integrale Gebäudeplanung, Computergrafik und virtuelle Realität, diskrete und angewandte Geometrie sowie numerische Mechanik weiterentwickelt werden können. Im Rahmen dieses Projekts befasst sich ein Team von ArchitektInnen der TU Graz in dem Subprojekt „Material- and Structurally Informed Freeform Structures“ mit nachhaltigen Baumaterialien, die durch die Zusammenarbeit von Architektur, Materialwissenschaften, Geowissenschaften und Mikrobiologie neu gedacht werden. Durch die Kombination von digitaler Fertigung mit Materialexperimenten werden biobasierte Verbundwerkstoffe wie alginat- und mycelbasierte Tonverbundwerkstoffe entwickelt, die herkömmliche Baumaterialien hinterfragen. Auf diese Weise werden Entwurf, Fertigung und Integration von Materialien in der Architektur neu gedacht, wodurch sich neue Perspektiven auf ökologische Verantwortung und Baukultur eröffnen.
Schlagwörter: Interdisziplinäre Forschung, Materialexperimente, biobasierte Verbundwerkstoffe, nachhaltige Baumaterialien
Architektur als lebendiges System. Synergien zwischen Menschen, Maschinen und Mikroorganismen gestalten
Daniela Mitterberger
Ausgehend von Karen Barads Konzept der „Intra-Aktion” betrachtet dieser Artikel Architektur nicht als statisches Objekt, sondern als vernetztes, lebendiges System, das von Menschen, Maschinen und Mikroorganismen gemeinsam geschaffen wird. Mithilfe von Prototypen und Rahmenbedingungen werden die Beziehungen zwischen Menschen, Mikroben und Maschinen choreografiert, wodurch ein atmosphärischer und performativer Raum entsteht. Die Entwurfsmethode wird anhand zweier prototypischer Architekturen veranschaulicht, die im Rahmen einer partizipativen Praxis entwickelt und evaluiert wurden. „Degrees of Life“ macht nonverbale Kommunikation zwischen Menschen und Mikroben möglich, indem es Eye-Tracking, multimodale Sensoren und Aktuatoren in mikrobielle Ökosysteme integriert. Die Architektur von „Degrees of Life“ wächst und verändert ihre Farbe als Reaktion auf menschliche Aktivitäten. Das Projekt „Dafne’s Skin“ umfasst eine Gebäudehülle aus handgespaltenen Holzschindeln, die mit einer lebenden mikrobiellen Farbe beschichtet ist und von kabelgesteuerten Robotern – „Geografen“ gepflegt wird. Die „Geographen“ beobachten Menschen, Mikroben und die Umgebung und steuern Sprinkleranlagen und Beleuchtung, um das Bakterienwachstum entweder zu fördern oder zu unterdrücken. Die Projekte zeigen gemeinsam, wie atmosphärische und performative gestalterische Intentionen in architektonische Umsetzungen übersetzt werden können. Gleichzeitig formulieren sie eine interdisziplinäre Agenda für eine Architektur, die relational, adaptiv und lebendig ist.
Schlagwörter: Intra-Aktion, lebendige Architektur, Mensch–Maschine–Mikroben-Systeme, adaptive Umgebungen, Multispezies-Design, responsive Architektur.
„Synergie ist unser Hauptgeschäft“
Fabian Scheurer im Gespräch mit Urs Hirschberg (GAM)
Fabian Scheurer studierte Informatik und Architektur an der TU München und widmet sich seither der Digitalisie¬rung des Bauens, insbesondere der computergesteuerten Vorfertigung. 2007 gründete er gemeinsam mit Arnold Walz das Unternehmen Design-to-Production. Mit Niederlas¬sungen in Erlenbach bei Zürich sowie in Stuttgart ermög¬lichte das Unternehmen mittlerweile über 50 wegweisende Projekte, unter anderem in Zusammenarbeit mit renommierten Architek¬tInnen und Architekturbüros wie SANAA, UNStudio, Zaha Hadid, Shigeru Ban und Renzo Piano. Neben seiner praktischen Tätigkeit war Fabian Scheurer auch an vielen Architekturschulen tätig. In diesem Interview spricht er über die Rolle der Zusammenarbeit für die digitale Transformation der Architektur und des Bauens. Er betont, dass erfolgreiche Innovation weniger von der Technologie selbst abhängt, als vielmehr von der Fähigkeit, interdisziplinäre Zusammenarbeit zu organisieren und komplexe Entwurfsideen in produzierbare Systeme zu übersetzen.
Schlagwörter: Digitale Transformation, parametrisches Design, digitale Fertigung, interdisziplinäre Zusammenarbeit, Digital Mass Customization, Vorfertigung, computergestütztes Design, Innovationen im Bauwesen.
Den Wald vor lauter Bäumen sehen. Visualisierung der Baumkronen Irlands
Sophia Meeres, Jay Gilbert, Ted Wilson
In diesem Beitrag wird das interdisziplinäre Forschungs- und Kartierungsprojekt „Tree Map Ireland” vorgestellt, das sich der Erfassung von Bäumen außerhalb von Wäldern in Irland widmet. Ausgangspunkt des Projekts ist die bedeutende Lücke in den nationalen Waldkartierungen Irlands, die zwar Wälder erfassen, jedoch die ökologischen und kulturellen Beiträge einzelner Bäume, Hecken und kleinerer Waldgebiete nicht verzeichnen. Mithilfe der Verknüpfung von hochauflösenden Fernerkundungsdaten, bestehenden Geodatensätzen und der Bluesky National Tree Map (NTM) liefert das Projekt eine erste Visualisierung der rund 100 Millionen einzelnen Bäume Irlands in Bezug auf ihre Baumkronen, wobei sowohl Wald- als auch Nicht-Waldbäume erfasst werden. Dieses der Öffentlichkeit frei zugängliche Sensibilisierungsprojekt und die interaktiven Karten schaffen eine wichtige neue Datengrundlage für die Bewertung von Ökosystemleistungen, die Entwicklung nachhaltiger Planungsstrategien und die langfristige Beobachtung nationaler Baumressourcen. „Tree Map Ireland” verbindet wissenschaftliche Analyse mit öffentlicher Zugänglichkeit, erfasst Bäume als Teil einer übergreifenden ökologischen Infrastruktur und zielt darauf ab, einen Beitrag zur künftigen langfristigen Bewirtschaftung der irischen Bäume als ganzheitliche Ressource zu leisten.
Schlagwörter: interdisziplinäre Forschung, Bäume außerhalb von Wäldern, Baumkronenbedeckung, Geodaten, Ökosystemleistung, Kartierungsprojekt, Umweltsengagement
Für Insekten entwerfen. Experimentelle Architekturpraxis und -lehre aus Multispezies-Perspektive
Asya Ilgün, Svenja Keune
Dieser Artikel untersucht die Rolle der Architektur in interdisziplinären, ko-kreativen Forschungsumgebungen, die vernachlässigte Dimensionen des Designs in den Vordergrund rücken, darunter lebende Materialien und nicht-menschliche Akteure. Er verortet zeitgenössische biohybride und „mehr-als-menschliche“ Architektur in Debatten um lebendige Materie (vibrant matter) und ökologische Relationalität und stellt Designexperimente vor, die Insekten in Materialsysteme, digitale Fabrikationsprozesse und alltägliche Wohnumgebungen integrieren. Der Beitrag skizziert alternative Lernumgebungen und Research-by-Design-Methoden und veranschaulicht diese durch die Fallstudie eines Bienenstocks aus Myzel, sowie die von den Autorinnen mitorganisierten „I.N.S.E.C.T. Summercamps“ (Forschungscamps). Diese fördern ein ökologisches Bewusstsein, betonen Fürsorge und Instandhaltung und fassen architektonische Handlungsfähigkeit als artenübergreifend neu. Diese experimentellen Praxisformen rücken Architektur nicht nur als Formgebung, sondern als Vermittlung in den Fokus: als eine Praxis, die sensibel dafür ist, wie Umgebungen von Menschen und Nicht-Menschen erfahren werden, und die auf ökologische, materielle und soziale Feinheiten reagiert, indem sie Komplexität gegenüber Kontrolle bevorzugt. Auf diese Weise zeigt der Artikel mögliche Zukünfte auf, in denen ArchitektInnen eher als Vermittlerinnen ökologischer und sozialer Prozesse agieren denn als alleinige Urheber*innen gebauter Form.
Schlagwörter: Architektonisches Denken, künstlerische Forschung, mehr-als-menschliche Perspektiven, Multispezies-Design, interdisziplinäre Forschung, lebende Materialien
Cyber-physische Architektur. Eine transdisziplinäre Praxis
Yinan Liu, Charlotta Windahl, Uwe Rieger
In diesem Artikel wird die transdisziplinäre Arbeit des arc/sec Lab for Cyber-Physical Architecture and Interactive Systems der Universität Auckland reflektiert. Das Labor untersucht die sich wandelnde Rolle der Architektur als Vermittlerin von Echtzeitinteraktionen zwischen menschlichem Verhalten und intelligenten Umgebungen. Anhand der drei Projekte „XRTEM“, „LightSense“ und „Spatial Improvisation 1.0“ zeigt der Beitrag, wie cyber-physisches Design WissenschaftlerInnen, ArchitektInnen, IngenieurInnen, KünstlerInnen, SozialwissenschaftlerInnen und WirtschaftsforscherInnen dabei unterstützt, neue Wissensformen an ihren Schnittstellen zu entdecken. Wir entwickeln groß angelegte, immersive Installationen als Prototypen in Originalgröße, die neue Umgebungen inszenieren und erproben. Dadurch werden Echtzeitbeobachtungen, schnelle Iterationen und gemeinsame Entscheidungsprozesse vor Ort ermöglicht. In diesem Zusammenhang wird Architektur neu definiert – als Host, der die Zusammenarbeit in hybriden physischen, digitalen und sozialen Umgebungen gestaltet. In allen drei Projekten erweisen sich Ko-Präsenz, iteratives Schaffen und kollektive Verantwortung als Prinzipien, durch die sich transdisziplinäre Synergien entfalten. Sie verdeutlichen, wie Architektur durch domänenübergreifendes Arbeiten einen Beitrag leisten und selbst transformiert werden kann. Sie reflektieren zugleich über die Notwendigkeit von Synergien, um die Komplexität der heutigen Herausforderungen zu bewältigen.
Schlagwörter: Transdisziplinäre Zusammenarbeit, cyber-physische Architektur, interaktive Systeme, intelligente Umgebungen, immersive Installationen, Echtzeitinteraktion.
Über Future Cities, direkte Demokratie und Kaffeekochen am Wochenmarkt
Gerhard Schmitt im Gespräch mit Urs Hirschberg (GAM)
Gerhard Schmitt ist emeritierter Professor für Informations¬architektur an der ETH Zürich und Gründungsdirektor des Singapore-ETH Centre (SEC). Seine Forschungsschwer¬punkte sind der urbane Metabolismus und Städte als kom¬plexe Systeme, die Verknüpfung von Big Data mit Stadtpla¬nung, Simulation und Visualisierung. 1988 kam er an die ETH Zürich, wo er den Lehrstuhl für Architektur und CAAD gründete. Von 1998 bis 2008 war Schmitt Vizepräsident für Planung und Logistik sowie Mitglied der Hochschulleitung der ETH Zürich. Er leitete die Entwicklung der Strategie und Planung der ETH in Zusammenarbeit mit 16 wissenschaftlichen Departemen¬ten. In dieser Rolle initiierte und konzipierte er den nachhal¬tigen ETH Science City Campus in Zürich, für den er 2010 den European Culture of Science Award erhielt. In diesem Interview reflektiert Schmitt über seine Karriere an der ETH Zürich und am Singapore-ETH Centre und spricht über die Rolle der Architektur in interdisziplinärer Forschung und Stadtentwicklung.
Schlagwörter: Future Cities, Stadtentwicklung, transdisziplinäre Forschung, Design Science, Bürgerbeteiligung, Citizen Design.